Busreisen, Cisleithanien, Herzogtum Bukowina

Czernowitz

die Hauptstadt der Bukowina

Hommage an Czernowitz

1774 wurde Czernowitz wie die gesamte Bukowina von Österreich besetzt und ab 1775 offiziell Teil der Habsburgermonarchie. 1849 wurde das Herzogtum Bukowina als eigenes Kronland mit der Landeshauptstadt Czernowitz konstituiert, 1861 das Landesparlament, der Landtag, eingerichtet. In der 1867 gebildeten Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörte das Land bis 1918 zu „den im Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern“ (Cisleithanien) mit deren gemeinsamer k.k. Regierung in Wien. 1875 wurde von Kaiser Franz Joseph I. anlässlich der 100-jährigen Zugehörigkeit zu Österreich eine Universität mit deutscher Unterrichtssprache gegründet, die Franz-Josephs-Universität Czernowitz. Sie umfasste 1893 eine griechisch-orientalisch theologische, eine rechts- und staatswissenschaftliche und eine philosophische Fakultät und besaß eine Bibliothek mit 50.000 Bänden, einen botanischen Garten, ein chemisches Labor und ein naturhistorisches Museum.

1895 vermerkte ein Lexikon für Czernowitz eine neue griechisch-orientalische Domkirche (vollendet 1864), eine armenisch-katholische Kirche (1875), eine neue Jesuitenkirche, eine Synagoge, eine griechisch-orientalische erzbischöfliche Residenz und 54.000 Einwohner (27.000 Deutsche, 10.000 Ruthenen, 8.000 Polen und 8.000 Rumänen), darunter 17.000 israelitischen Bekenntnisses. (In der Literatur wird für alle Gebiete im östlichen Altösterreich darauf hingewiesen, dass die Einwohner mit jiddischer Muttersprache, da Jiddisch nicht als eigenständige Sprache anerkannt war, zumeist Deutsch als Muttersprache angegeben haben.) Zum Thema Wirtschaft wurden eine Bierbrauerei, zwei Dampfmühlen, eine Sägemühle, eine Ölfabrik, eine Maschinenfabrik und reger Handel insbesondere nach Russland und Rumänien festgehalten. An Schulen wurden ein Obergymnasium, eine Oberrealschule, eine Staatsgewerbeschule, Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt und eine landwirtschaftliche Lehranstalt registriert, für die Kultur das Landesmuseum und ein Theater angeführt. 1897 wurde auch die Straßenbahn Czernowitz eröffnet, sie verkehrte bis 1967. Betrachtet man die Anzahl jüdischer Witze, welche über Czernowitz und dessen (jüdische) Einwohner gemacht wurden, so gewinnt man den Eindruck, dass in der östlichsten „deutschen“ Stadt der Monarchie fortwährend gelacht wurde. Das Zusammenleben der vier großen Volksgruppen (Juden, Deutsche, Rumänen und Ukrainer) war ein weitestgehend friedliches. Unähnlich den Zuständen in anderen Kronländern der Monarchie herrschte in der Bukowina bis 1918 weitestgehend Ruhe. Dieses hohe Maß an politischer Reife ließ die Bukowina schon vor 1914 zu einem Experimentierfeld österreichischer Staatsrechtler werden, die mit einem Wahlsystem experimentierten, das ein Höchstmaß an Gerechtigkeit für alle Volksgruppen versprach.

Auch prosperierte hier das östliche Judentum, das in Czernowitz Bedingungen vorfand, welche in diesem geographischen Raume völlig neu waren: Es gab keine Pogrome, keine Verschleppungen durch Kosaken, keine fortwährenden Diskriminierungen und keine permanenten Schikanen durch die Armee. Eine Vielzahl der heute in Czernowitz noch sichtbaren Kulturbauten der k. u. k.-Epoche wurde von Czernowitzer Juden finanziert.

die  erzbischöfliche Residenzerzbischöfliche Residenz

Die bedeutendste Sehenswürdigkeit von Czernowitz ist die ehemalige griechisch-orientalische erzbischöfliche Residenz, ein imposanter Ziegelbau auf dem „Bischofsberg“, in dem seit sowjetischer Zeit die Universität untergebracht ist. Sehenswert sind auch der Kuppelbau der im Stile der Sankt-Petersburger Isaakskathedrale gebauten, 1864 vollendeten griechisch-orthodoxen Kathedrale am Franz-Josephs-Platz und das Opernhaus (Außenbesichtigung). Im Jahr 1904 wurde mit dem Bau des vom Wiener Architekturbüro Fellner & Helmer geplanten neuen Theatergebäudes in Czernowitz begonnen.

das Theater von Fellner & HelmerTheater Czernowitz

Im Jahr 1904 wurde mit dem Bau des vom Wiener Architekturbüro Fellner & Helmer geplanten neuen Theatergebäudes in Czernowitz begonnen. Seine Front wird, wie bei vielen anderen Theatern dieser Zeit, durch eine Portalbogenarchitektur hervorgehoben. Die Eröffnung erfolgte nach 14 Monaten Bauzeit am 3. Oktober 1905 als „Czernowitzer deutsches Stadttheater“. Von 1907 bis 1922 stand vor dem Theater ein Denkmal von Friedrich Schiller. 1922 wurde es zum „Rumänischen Nationaltheater“. Seit 1940 bzw. 1944 ist es das „Ukrainische musikalisch-dramatische Olga-Kobylanska-Theater“, seit 1980 steht ein Denkmal der ukrainischen Nationaldichterin Olga Kobylanska vor dem Gebäude.

ein Tag in Czernowitz

Jüdischer Friedhof mit Blick auf die Altstadt

Am Morgen Besuch des Jüdischen Friedhofs mit schönem Blick auf die Stadt. Danach in die  ehemalige griechisch-orientalische erzbischöfliche Residenz und in die Altstadt (Theater, Rathaus, ehemalige Sparkasse und Herrengasse). Zum Abschluss Besuch des Literaturfestivals.
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Bücher über Czernowitz


Kulturreise Galizien

Die gesamte Kulturreise von Wien über Krakau, Lemberg, Czernowitz und Kaschau zurück nach Wien finden Sie auf
Galizien und Bukowina – Angelos Reisen